Der Gamber

Typische Flößer-Technik für das Kinzigtal

Gamber kommt von gamben: Schwaben wissen, dass dies schaukeln, gautschen, wiegen in ihrem melodisch lautmalenden Dialekt heißt.
Doch was hat das mit der Kinzig, der FIößerei und überhaupt mit Technik zu tun?
Eine der Voraussetzungen für das Führen von zusammengebundenen Baumstämmen auf der Kinzig und ihren Zuflüssen ist eine ausgeklügelte Stautechnik. Wie auch in anderen Flussgebieten des Schwarzwaldes gibt es auf der Kinzig ganz unterschiedliche Wasserführungen.
Die Erfahrung hatte die Flößer im Laufe der Jahrhunderte gelehrt, dass ein hohes Wasser unliebsame Überraschungen mit sich bringen konnte, zumal sich dieser Wasserstand vorzugsweise in der kalten Jahreszeit einstellte. Im Sommer verkam die Kinzig jedoch mit unter zu einem müden Rinnsal Dieses wenige Wasser anzustauen war der sichere Weg, die großen Gelenkflöße das Tal hinunter zu leiten. Die Floßordnungen gaben dieses Erfahrungswissen denn auch per Verordnung an die nachwachsenden Flößergenerationen weiter
Den natürlichen Gegebenheiten angepasst wurden die Wehre angelegt. In den Seitentälern bedeutete dies, dass die gesamte Fließbreite des Flüsschens mit einer Staumauer abgeschlossen wurde, in die eine Vorrichtung für den Ablauf des Wassers eingebaut war - in der Regel eine bogenartige Öffnung, die durch eine hölzerne Falle geschlossen war. Dadurch entstanden regelrechte kleine Stauseen, deren Wasser abgelassen wurde sobald das Floß vor dem Tor in der Staumauer fertig eingebunden und zur Abfahrt bereit war.
Auf der Kinzig waren die Stauvorrichtungen für die Flößerei von zwei verschiedenen Funktionen beeinflusst: Einerseits hat man hier das Wasser so weit angestaut, dass die Männer, höchstens bis zum Oberschenkel im Wasser stehend und durch die für sie typischen Stiefel geschützt, mit den schwimmenden Stämmen leicht hantieren konnten. So war es einfacher Gestöre zusammenzubinden und ganze Flöße einzubinden.
Andererseits hat man in den gleichen Wehren das Wasser gesammelt, das für die Fahrt nötig war. Bei sehr niedrigem Wasserstand war es ein mühsames Hangeln von Wehr zu Wehr; Ein jedes musste erneut geschlossen werden, um für die Weiterfahrt wieder genügend Wasser anzusammeln. Dies hieß auch jedes mal warten. Eine Woche konnte auf diese Weise die Fahrt bis Willstätt dauern, dem Endpunkt der Kinzigflößerei. Bei guter Wasserführung konnte die gleiche Strecke an einem Tag bewältigt werden.

Gamber offen

Der sichtbarste Vertreter dieser Stautechnik im Kinziggebiet war der Gamber, mit dem das so genannte Fahrloch verschließbar war. In anderen Flussgebieten haben die Flößer andere Lösungen für ihre Wehre gefunden - meistens deutlich aufwendiger, da sie mit Brückenkonstruktionen verbunden waren.
Beim Gamber ruht entsprechend seinem Namen - wie die Wippe der Kinder - ein Balken auf einem Standfuß, so angebracht, dass er auch drehbar ist in die Fließ- Richtung des Wassers. An dem Fahrloch zugewandten Ende sind Bretter für deren Verschluss angebracht, das Entgegengesetzte Ende ragt bis ans Ufer und macht die Vorrichtung trockenen Fußes bedienbar.
Bei großen Gambern war am hinteren Ende ein Kasten aus Brettern angebracht, in den man Steine häufen konnte, um wie auf einer Kinderschaukel das andere Ende durch deren Gewicht anheben zu können und somit das Fahrloch zu öffnen. Im Wasser gab es dazu noch den entsprechenden Unterbau, der quasi in einer kleinen Staustufe mit Durchfahrtsloch bestand.

Gamber geschlossen

Seit neuestem gibt es einen solchen hölzernen Gamber in Schiltach wieder zu besichtigen. Unterhalb des Zusammenflusses von Kinzig und Schiltach am Hochmutsteich wurde am jahrhundertealten Wehr wieder ein Gamber eingebaut. Wehr und Gamber wurden von den Schiltacher Flößern 2001 neu geschaffen, um auf der Kinzig auch heute wieder Floß zu fahren.