Katalanische Flößerinnen und Flößer zu Besuch in Schiltach 2016

 

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Bereits seit 1989 gibt es die „Internationale Flößervereinigung“ und auch die Schiltacher Flößer sind
Mitglied in dieser Vereinigung. Jährlich findet ein Treffen statt, das  jeweils in einem anderen Land ausgetragen wird. Insgesamt gibt es über 40  Flößergruppen in Europa. Im letzten Jahr waren auch mehrere Flößergruppen aus dem Schwarzwald an der Brenta in Norditalien, 2016 laden die Flößer aus Lengries an der Isar ein.

Zunehmend wichtiger für das Anliegen der Flößergruppen,  wird die Jugendarbeit. Das brachte den Schiltacher Flößerobmann Thomas Kipp auf die Idee, mit Jugendlichen aus anderen Ländern ein günstiges Flößercamp zu veranstalten. Ein zentrales Anliegen wäre, dass sich die Europäischen Flößerjugend mehr vernetzt und sich gegenseitig besucht.  Zwischen den Gruppen aus dem Kinzigtal und den katalanischen Flößern aus La Pobla de Segur bestand schon längere Zeit eine Beziehung und vertieft wurde diese nun durch den Besuch von sieben Jugendlichen, vier Mädchen und drei jungen Männern aus Katalonien.

Für das lange Wochenende wurde ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt, um den jungen Leuten Manches rund um das Thema Holz und Flößerei im Kinzigtal näher zu bringen. Vom Fällen eines Baums mit traditionellen Werkzeugen bis zum Einbinden eines kleinen Floßes reichte das abwechslungsreiche Programm.

In den Morgenstunden des Himmelfahrtstags landete die katalanische Truppe mit dem Flieger in Basel, Otto Schinle und Tobias Isenmann verfrachteten sie per PKW zu Familie Kipp auf die Schmelze, wo sie für die nächsten Tage Quartier fanden. Als Einführung stand ein Spaziergang durchs Städtle auf dem Programm. Die Verständigung klappte das ganze Wochenende auf Englisch, wobei der Stadtführer bei vielen Fachausdrücken auf die Mithilfe seiner Flößerkameraden angewiesen war. Ein traditionelles „Schwarzwälder Vesper“ im Floßschopf stand am Ende des ersten Tags.

Der Freitag begann dann mit einem Rundgang auf dem Vogtsbauernhof, anschließend eine Fahrt auf der Sommerrodelbahn in Gutach. Bei der Besichtigung des Sägewerks in Halbmeil konnten die Schiltacher Flößer zum ersten Mal eine Besonderheit dieser Gruppe feststellen. Die Mädchen waren in allen technischen und handwerklichen Belangen, d. h. in traditionellen „Männerdomänen“ höchst engagiert. So stellte Otto Schinle fest „Besonders die Frauen interessierten sich für die Maschinentechnik, weil ihre Studiengänge damit zu tun haben“.
Dies zeigte sich auch bei der Arbeit rund ums Floß am folgenden Samstag. Gemeinsam fällten die Deutschen mit ihren katalanischen Gästen einen Baum, entasteten, schälten und transportierten ihn zum Floßschopf. Mit Hilfe des Wiedofens wurde das Bindematerial hergestellt, Löcher gebohrt und ein kleines Floß eingebunden. „Ein Floß haben wir zu Hause auch schon gebaut, aber einen Baum mit der Axt von Hand geschlagen, haben wir noch nie“, freuten sich die jungen Spanier.
Nach einer Wanderung auf den Teisenkopf verabschiedeten sich die Flößerkameradinnen und -kameraden voneinander und die Gäste flogen am Sonntagabend zurück nach Barcelona. Gelernt haben die Spanier Manches rund um die Flößerei auf der Kinzig, die Schiltacher haben gleichsam nebenbei gelernt, wie die Stämme mit Wieden auf  katalanisch eingebunden werden.
Wolfgang Tuffentsammer