Vom 7.-10. Sept. fand die Tagung der Deutschen Flößereivereinigung in Reinhardshagen a.d. Weser statt, genauer gesagt im Weser Bergland oberhalb Hann. Münden, wo sich die Fulda und die Werra vereinen und dann zur Weser werden.
Schwer bepackt reisten die Schiltacher Flößer zum Flößertreffen an die Weser.
Ein ganzer Satz scharfer Beile, Floßhaken, Seile und frisch gewässerter Wieden waren im Gepäck. Die dortige Flößervereinigung, mit ihrem Vorsitzenden Eckhard Meyer, hatte sie eingeladen ein Floß, mit Holz aus dem Reinhardswald im Wesertal, nach KinzigtälerVorbild zu bauen.
Da die Weser in Reinhardshagen eine Bundeswasserstraße ist, war eine Genehmigung durch die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung in Hannover nötig. Um eine Genehmigung zu erhalten, musste das Floß noch vor Ort durch einen vereidigten Sachverständigen abgenommen werden. Er verlangte einen hohen Mast, und so kam auch die Warschauer Fahne wieder zum Einsatz, sie signalisiert anderen Schiffen das Herannahen eines Floßes.
Die Stämme wurden am Ufer zugerichtet und einzeln in die Weser gerollt, um das Floß dann im Wasser zusammen zu bauen. Bei den hochsommerlichen Temperaturen war das Ganze eine schweißtreibende Arbeit. Wie im Schwarzwald üblich, wurden alle Stämme an den Enden „geschnätzt“. Dabei konnte der Schiltacher Flößerobmann, Hartmut Brückner, einmal mehr sein vielseitiges Können mit dem Beildemonstrieren.
Genau wie an der Kinzig wurde auch an der Weser das Floß im Wasser ganz traditionell mit Wiedenzusammengebunden. Nur noch wenige Flößergruppen wenden diese Einbindetechnik beim Floßbau an, ein Lehrstück für die vielen Zuschauer und auch für die Jungflößer die an diesem Handwerk Interesse zeigten.
Der Schiltacher Floßmeister Thomas Kipp und seine Kollegen aus dem Kinzigtal konnten wieder einmal von ihren Erfahrungen profitieren, die sie bei Floßfahrten auf dem Rhein, der Donau und der Kinzig gesammelt hatten und diese an die dortigen Kollegen weitergaben. Beeindruckt vom Floßbau waren auch der UNESCO Vizepräsident Prof. Dr. Christoph Wulf und die Staatssekretärin Ayse Asar vom Kultusministerium, diezur Flößereitagung angereist waren und den Flößern einen Besuch auf dem Floß abstatteten.
Die Aufnahme der Flößerei in die weltweite Liste der immateriellen Kulturgüter wurde schon vor längerer Zeit verkündet. Beim Flößertreffen in Reinhardshagen wurde sie mit der Verleihung der Urkunde an den Vorsitzenden der deutschen Flößervereinigung, Martin Spreng, auch offiziell vollzogen.
Eine Kopie der Urkunde ziert jetzt auch den Floßschof der Schiltacher Flößer.
Otto Schinle
13. September 2023




Die Schiltacher Flößer auf der Weser beim deutschen Flößertag in Reinhardshagen im September 2023.
