„Der wackre Meister Koch!“ – Neues von den Schiltacher Flößern an der Ybbs

Von Hans Harter

Bei den heutigen Schiltacher Flößern hat der Name „Ybbs“ einen guten Klang: Zogen doch ihre Vorgänger seit 1865 nach Österreich, um auf diesem Fluss die Flößerei einzuführen. In den Orten Hollenstein und Waidhofen zeugen davon noch Berichte, Fotos und ein Gemälde des ersten Floßes von 1866.Gebaut nach Kinzigtäler Art, war es für die Österreicher mit 33 Gestören ein „Riesenfloß“, was der Maler anerkennend mit„Ehre und Achtung“ vermerkte.

Ein neues Fundstück bereichert die Andenken an die von den Schiltachern damals dort betriebene Flößerei: Eine Holztafel aus Waidhofen, 26 cm breit, 19 cm hoch und beidseitig bemalt. Die Vorderseite zeigt einen Flößer am Ruder eines kleinen Floßes. Eine Inschrift erinnert an „unsere erste Reise von Waidhofen nach Amstetten“ am 23. November 1865.

Dieses Datum liegt genau in der Zeit, in der die Schiltacher,zusammen mit einheimischen Arbeitern, die Ybbs floßbar machten: Indem sie Bäume, Kiesbänke und Steine beseitigten, Floßgassen bauten, Einbindestätten und Stauweiher anlegten. Problematisch war das „Gerstl“ mit großen Felsbänken im Fluss, die durchbrochen werden mussten. 

Probeweise wurden kleine Flöße losgeschickt, die aber hängen blieben, sodass man weiter sprengen musste. Erst als die dritte Fahrt glückte, war der Fluss auf circa 60 km durchgängig befahrbar. Dies geschah am 23. November 1865, was die Inschrift auf dem Schild festhält.  

Den Stolz der Beteiligten spürt man auch auf seiner Rückseite:Ein Gedicht schildert „das Wanderleben“ der Flößer, die „der Ybbs entlang streben“. Sie vereinen „Bruderbande“, nämlich die Zusammenarbeit mit den Österreichern. Einfach ist die Arbeit im Fluss nämlich nicht: „Bald gehts krumm und schief“, und die Wehre „gehen tief“. Doch: „Mit uns ist der wackre Meister Koch“, auf den sie deshalb ihre Gläser klingenlassen: „Vivat! Er lebe hoch!“ 

Gemeint ist Floßmeister Abraham Koch aus Schiltach (1815 bis 1878), der das Unternehmen leitete. Er hatte auf der Ybbs erkundet, ob man sie auch mit Kinzigtäler Gestörflößen befahren konnte. Mit ihrer gewaltigen Länge besaßen sie eine Kapazität von 600–800 Stämmen, ein Vielfaches der Österreicher Floßtypen, was ein erheblicher Vorteil war. Als Koch es bejahte, war dies der Start für einen großangelegten Holzhandel mit dem Fluss als Transportstraße. Erst musste er jedoch floßbar gemacht werden, wovon das Waidhofener Schild erzählt.

Lässt es den „wackren Meister Koch“ hochleben, so gab es für ihn auch sonst viel Lob: Der „badische Floßmeister Koch“ sei „ein sehr geschickter Mann“, der „ein großartiges Werk“geschaffen habe. Die Weltausstellung in Wien würdigte die von ihm importierte Kinzigtäler Art der Flößerei 1873 als „bedeutende forsttechnische Leistung“ und zeichnete sie mit der „Fortschrittsmedaille“ aus. So möchte man auch heute noch in das „Vivat!“ einstimmen, das Abraham Koch einst an der Ybbs erklang, an einem Wirtstisch, über dem besagtes Schild hing. Dies vor allem auch angesichts seiner starken Expertise in Sachen Holzflößerei, die heute im Schiltacher Flößerverein wiederauf- und weiterlebt.  

 

BU: Das Schild aus Waidhofen, Vorder- und Rückseite. – Fotos: Bissenberger

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