Der 36. Deutsche Flößertag war ein voller Erfolg. 22 Vereine waren mit rund 150 Mitgliedern aus ganz Deutschland vertreten und verbrachten vom 19. bis 22. Juni vier schöne und erlebnisreiche Tage an der Elbe und feierten gleichzeitig 700 Jahre Flößerei auf der Elbe und in Magdeburg. Bestens organisiert worden war diese Veranstaltung unter Federführung von Frank Thiel (Kultur- und Heimatverein Magdeburg/Fachgruppe Elbeflößer), stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Flößer-Vereinigung und Vorsitzender der internationalen Flößer-Vereinigung.
Den Auftakt hatten die Schiltacher und Wolfacher Flößer sowie einige Helfer bereits am Mittwoch und Donnerstag geleistet. Sie banden im Wasser 18 Fichtenstämme zu einem großen Floß zusammen, das am Freitag für zwei Fahrten diente. Alleine das war schon eine Besonderheit. „Dieses Floß hatten wir bereits 2024 an die Elbe gebracht. Damals diente es dem Treffen der europäischen Flößerjugend aus sechs Nationen“, erzählte der Schiltacher Thomas Kipp. Er leitete nun zum zweiten Male den Floßbau. 48 Passagiere fanden auf Sitzbänken Platz.
Weil die Elbe eine Bundeswasserstraße ist, mussten spezielle Auflage der des Wasser- und Schifffahrtsamt eingehalten werden. Dazu zählten zwei Außenbordmotoren sowie Rettungswesten und die Begleitung der Floßfahren von Mitgliedern der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG). Diesem Floß wurde nach Abschluss des Deutschen Flößertags eine besondere Ehre zuteil, denn es findet nun einen dauerhaften Platz als Ausstellungsstück im Magdeburger Wissenschaftshafen.
Wer am Freitag nicht mit dem Floß unterwegs sein wollte, hatte die Gelegenheit zu einer Wanderung an der Elbe. An zehn Stationen zeigten die Magdeburger Flößer ihre 700-jährige Tradition, erklärten den Floßbau und das damalige Leben der Flößer. Wer wollte, konnte auch an einer Stadtrundfahrt teilnehmen oder darüber staunen, wie Schiffe aus dem Mittellandkanal auf der mit 918 Metern längsten Kanalbrücke Deutschlands die Elbe überqueren. Im Angebot war auch eine Kanutour im Drachenboot.
Ein Höhepunkt war am Donnerstag- und Freitagabend das gesellige Beisammensein auf der Festung Ravelin 2. 1871 bis 1873 erbaut, diente diese als Teil des Magdeburg umschließenden Festungsrings zunächst als Bastion der Preußen gegen Napoleon. Bis 1919, also nach Ende des Ersten Weltkriegs, wurde sie militärisch genutzt. Im Zweiten Weltkrieg fanden dort noch Menschen Notunterkünfte. Große Teile der ehemaligen Festung Magdeburg wurden später im Zuge des Städtebaus abgerissen. Was noch übrig war, verfiel zusehends.
Erst vor elf Jahren gründete sich der „Sanierungsverein Ravelin 2“ mit vielen ehrenamtlich tätigen Mitgliedern, die die Reste der Festung freilegten, auf Vordermann brachten und zu einem Schmuckstück mit Strahlkraft weit über die Region hinaus gemacht haben. Heute dient die restaurierte Festung als Treff für Veranstaltungen, hochkarätige Ausstellungen und Führungen. Die Europäische Union hat dieses Projekt mit rund 3,1 Millionen Euro gefördert.
Weiterer Höhepunkt war am Samstag war Grillfest auf der Lukasklause, ehemals Teil der Magdeburger Festung und heute Bestandteil des Otto-von-Guericke-Museums. Der Tüftler hatte im 17. Jahrhundert die Luftpumpe erfunden, mit Vakuum und Elektrizität experimentiert und nachgewiesen, dass Luft etwas wiegt. Guericke hatte im Sommer 1657 zwei große Halbkugeln aus Kupfer mittels einer Dichtung zusammengelegt und die Luft herausgepumpt. Anschließend wurden vor jede Halbkugel acht Pferde gespannt, die diese auseinanderreißen sollten, was aber nicht gelang. Doch als die Kugeln wieder mit Luft gefüllt wurden, fielen sie von alleine auseinander. Mit dieser Vakuumtechnik werden noch heute große Lasten ohne große Mühe gehoben.
Zuvor hatte am Samstagvormittag Martin Spreng (Altensteig), Vorsitzender der Deutschen Flößer-Vereinigung, bei der Mitgliederversammlung eine positive Bilanz für das Jahr 2024 gezogen. Der Flößertag in Lechbruck (Ostallgäu) sei ein voller Erfolg gewesen. Schatzmeister Alfred Fraas (Wolfratshausen) berichtete von einem leichten Überschuss. Die Entlastung von Kassier und Gesamtvorstand war die logische Konsequenz.
Ein Schwerpunkt der nächsten Jahre wird es sein, bereits existierende regionale Flößerstraßen, die es beispielsweise schon im Schwarzwald, Frankenwald, in Dresden und Brandenburg gibt, bundesweit zu vernetzen. So können beispielsweise Wanderer und Radfahrer viel über die Geschichte der Flößerei erfahren. Der deutschlandweite Zusammenschluss sei aber noch eine Vision, deren Umsetzung noch viele Jahre dauern werde.
Den Abschluss des 26. Deutschen Flößertags bildete ein ökumenischer Gottesdienst im Dom zu Magdeburg. Dabei erinnerte Domprediger Jörg Uhle-Wettler an den Bau des Tempels von König Salomon in Jerusalem vor genau 2975 Jahren, der nur möglich war, weil es schon damals Flöße gab. Nur mit diesen war es damals möglich, Baumaterialien in großen Mengen zu transportieren.
Für Martin Spreng waren es wunderbare Tage in Magdeburg: „Frank Thiel, seine Truppe sowie viele Helferinnen und Helfer haben den 36. Deutschen Flößertag zu einem unvergesslichen Ereignis gemacht.“
Der 37. Deutsche Flößertag wird 2026 im thüringischen Wernshausen (Schmalkalden) stattfinden. Ein Jahr danach geht es ins Frankenland.

























