11.2025 Waldhauergruppe fällt Tanne nach alter Tradition

Waldhauergruppe fällt Tanne nach alter Tradition

Die Waldhauergruppe der Schiltacher Flößer erhielt in diesem Herbst eine besondere Anfrage aus Fischerbach. Ulrich Müller vom Ramsteinerhof im Hintertal bat die Gruppe, eine mächtige Tanne nach alter „Väter Sitte“ mit der Axt zu fällen – ganz so, wie es früher Brauch war.

Der Hintergrund dieser Aktion ist eine alte Tradition: In Fischerbach war es üblich, dass die jüngste Tochter eines Hofes beim Wegzug in die Ehe den größten Baum des Hofes mitbekam. Diese schöne Sitte wollte Müller wieder aufleben lassen.

Edwin Bühler und Hartmut Brückner von der Waldhauergruppe machten sich zunächst vor Ort ein Bild. Die Dimensionen der Tanne waren beeindruckend: Am Stock maß sie stolze 110 Zentimeter im Durchmesser. Nach reiflicher Überlegung sagten die Holzhauer zu und legten den Termin auf einen Sonntag im November fest.

Mit sieben Männern und historischem Werkzeug rückte die Gruppe schließlich an. Rund 30 Zuschauer hatten sich eingefunden, um das seltene Schauspiel mitzuerleben.

Die ersten Axthiebe hallten durch den Wald. Vier Holzhauer arbeiteten gleichzeitig, während regelmäßig gewechselt wurde – denn das Fällen mit der Axt ist eine äußerst anstrengende und schweißtreibende Arbeit.

Begleitet wurde die Aktion von fachkundigen Erläuterungen: Hartmut Brückner erklärte den Zuschauern die einzelnen Arbeitsschritte, berichtete vom Leben der alten Waldhauer und stellte die verschiedenen historischen Werkzeuge vor. Fragen aus dem Publikum beantwortete er gerne.

Nach rund eineinhalb Stunden war es soweit: Treibklotz und Keile wurden gesetzt, das rhythmische Schlagen der Treibkeile hallte durch den Wald. Langsam neigte sich die Tanne, bis sie schließlich mit einem lauten Krachen genau in die vorgesehene Richtung fiel.

Die Arbeit war vollbracht – und die Zuschauer erlebten einen Moment, der Geschichte und Handwerk eindrucksvoll miteinander verband.

Anschließend wurde die Tanne vermessen: 34 Meter Höhe und ein Stamminhalt von 9,5 Festmetern. Ulrich Müller bedankte sich herzlich bei der Waldhauergruppe für ihren Einsatz. Den gelungenen Tag ließ man bei einem gemütlichen Zusammensein auf dem Ramsteinerhof ausklingen.

 

Hartmut Brückner, Falko Vogler

23.11.2025

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