„Das brächte heute keiner mehr fertig.“ – In den Fußstapfen der alten Schiltacher Flößer

Vor mehr als 180 Jahren hatten Schiltacher Schiffer die Idee, im Südschwarzwald Waldungen aufzukaufen und über die Wutach zu den Holzmärkten am Hochrhein zu transportieren. Dafür benötigten sie viel Kapital, aber auch die Technik und Erfahrung der hiesigen Flößer. Sie sollten den durch seine Schlucht bekannten Fluss für die Flößerei herrichten und den Transport der Stämme bis zum Rhein bei Waldshut-Tiengen übernehmen. So machten sich seit 1831 Schiltacher Flößer gruppenweise zu Fuß auf den Weg und marschierten ins 14 Wegstunden entfernte Wutachtal. An Pfingsten 1833 war auch der gerade schulentlassene Christoph Trautwein dabei, um seinen dort als Flößerobmann tätigen Vater und die beiden Brüder zu besuchen. Er brachte ihnen die Nachricht vom Brand im Vorstädtle, bei dem die alte Pfarrkirche zerstört worden war. Für den Rückweg vom Vater mit Reisegeld versehen, musste er nicht ganz durchlaufen, sondern konnte in Donaueschingen übernachten.

Seit 1834 selber Flößer an der Wutach, wurden diese Fußmärsche für den inzwischen 16jährigen Christoph zur Routine, da es die Schiltacher an Feiertagen, zu Festen oder bei Wasserklemme in die Heimat zog, wo auch das eine oder andere Mädchen wartete. Im Winterwetter kam dabei der Wachholderschnaps nicht zu kurz, was zweien, die im Schneetreiben liegen blieben, ohne Hilfe der Kameraden fast zum Verhängnis geworden wäre.

Als im Juli eine Hochzeit angesagt war, machten die älteren Brüder von Grimmelshofen an der Wutach eine „Nachtreise“ nach Schiltach, wo sie pünktlich zum Kirchgang ankamen. Christoph selber, vom Bruder Ulrich mit einem Taler ausgestattet, blieb im „Adler“ in Riedböhringen (Stadt Blumberg). Um 4 Uhr früh brach er mit Hornberger Gerbern auf, bis Mönchweiler, und zog dann allein über Königsfeld nach Schramberg. Von allen Brunnen am Weg trinkend, schaffte er es nach Schiltach in 12 Stunden, wobei er auf den letzten 10 km oft ausruhen musste. Doch schrieb er stolz: „Ohne ein einziges Mal einzukehren, das brächte heute keiner mehr fertig.“ Er wollte es freilich auch „keinem raten, denn von Schramberg bis Schiltach bin ich gewiss 20 Mal hingesessen. “ Dass er dann gleich seine „Sonntagskleider“ anzog, ins „Lamm“ zur Hochzeit ging und den gesparten Reisetaler für den ersten Schoppen Wein wechseln ließ, war der krönende Abschluss der für den jungen Burschen doch recht anstrengenden Tour. „Das brächte heute keiner mehr fertig.“ Dieser Satz in der Autobiografie des in Schiltach bis heute bekannten Flößers, Schiffers und Bürgermeisters Adolf Christoph Trautwein (1818-98) ließ Hartmut Brückner, den Vize-Obmann des heutigen Schiltacher Flößervereins, nicht ruhen. Nicht, dass er seinen Vorgänger irgendwie ausstechen wollte, doch reizte ihn die sportliche Herausforderung, es mit einem der „Alten“ aufzunehmen, vor allem aber, zu klären, „ob dies überhaupt machbar ist, diese Strecke von ca. 65 km ohne Pause zu laufen.“ Am Pfingstssamstag, 7. Juni 2014, hat er es gewagt, hier sein Reisebericht: „Um 3:41 bin ich in Riedböhringen losgelaufen. Die Tour ging über Behla, Hüfingen, Bräunlingen, Wolterdingen, Tannheim, Villingen, Mönchweiler, Königsfeld, Hardt, Schramberg nach Schiltach. Um 15 Uhr bin ich angekommen. Ich war 11 Stunden und 19 Minuten unterwegs und bin die Strecke komplett ohne Pause durchgelaufen. Als Verpflegung hatte ich dabei: ein Doppelbrot belegt mit Schinken, zwei Liter Wasser, zwei Müsliriegel, eine Banane. Vom Hardt nach Schramberg bekam ich zwei Blasen an den Fußsohlen, das Laufen wurde dadurch beschwerlicher, letztendlich bin ich doch glücklich angekommen.“ Über einen solchen Reise- und Flößerkameraden hätte sich Christoph Trautwein sicher sehr gefreut.

BU: Alte und aktueller Schiltacher Flößer: Zeichnung von Wilhelm Hasemann (1889). – Hartmut Brückner nach seiner Tour (2014).

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