„Drucke!“ „Sperre“ – Die Schiltacher Flößer auf Erkundungsfahrt im unteren Kinzigtal am 11. April 2015

„Drucke!“ „Sperre“ – Die Schiltacher Flößer auf Erkundungsfahrt im unteren Kinzigtal am 11. April 2015
Von Hans Harter

Nicht schlecht staunten Passanten und Anwohner des Kinzigdamms zwischen Steinach und Gengenbach, als kürzlich ein Floß auf dem Fluss dahergeschwommen kam, wie in den alten Zeiten der Kinzigflößerei – und erstmals wieder seit 1895. Es waren Flößer aus Schiltach um ihren Obmann Thomas Kipp, die die ca. 12 km lange Flußstrecke befuhren, und dies nicht zufällig: Wasserstand und Wetter waren günstig, und auf ihrer Kinzigkarte befand sich hier ein weißer Fleck, der noch nicht erkundet und mit seinen Schwierigkeiten gemeistert war. Sie kamen auch bald zum Vorschein: Bacheinbauten wie Schwellen und Wehre, die Mündung des Fröschbachs, die besondere Strömungsverhältnisse erzeugten. Da waren vor allem der „Fahrer“ am Ruder, der den besten Weg im Fluss suchte, und die zwei „Sperrer“ gefordert. Etliche Male mussten sie die hölzerne Floßbremse, den „Sperrstümmel“, in den Bachgrund rammen, was auch der stärkste seiner Art nicht aushielt und zersplitterte. Doch lag Ersatz daneben, ebenso Bündel mit den obligatorischen Wieden, die das Floß zusammenhalten.

Mit einer Geschwindigkeit von 5-7 km/h kam man in der raschen Strömung voran, bei einer Wassertiefe von bis zu 1m, im Rauschen des Wassers, dem Ächzen der Wieden und Knirschen der Stämme. Ab und zu schallten die Kommandos:„rechts“, „links“, „drucke“, „sperre“, die schon in früheren Zeiten das Manövrieren begleiteten und den alten Flößern den Übernamen „Bachbrieler“ einbrachten. Ihre Leistung, riesige Quantitäten von Langholz über lange Strecken auf dem Wasser zu befördern, mit einfacher, aber effektiver Technik und der Nutzung der natürlichen Flussenergie, ließ dem Flößerhandwerk 2014 die Anerkennung als „immaterielles Kulturerbe“ zukommen. Dem Prädikat gerecht zu werden, ist auch zukünftig das Anliegen der die Flößerei-Traditionen pflegenden Vereine des Kinzigtals, der Schiltacher, Wolfacher und Schwaibacher. Letztere hießen die Kameraden vom oberen Tal denn auch vor der turmreichen Silhouette der einstigen Reichsstadt Gengenbach mit einem zünftigen Vesper willkommen.

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