Floßfahrt der Schiltacher Flößer am 23. April 2016 (Georgstag) von Steinach nach Gegenbach

Floßfahrt der Schiltacher Flößer am 23. April 2016 (Georgstag) von Steinach nach Gegenbach

Von Wolfgang Tuffentsammer

Tage, die nach Heiligen benannt werden verschwinden zunehmend aus dem Bewusstsein der Menschen. Am bekanntesten dürfte noch der 6. Dezember, der Nikolaustag sein. Auch der Martinstag am 11. November ist noch einigermaßen bekannt. Wann oder auch was ist der Georgstag oder „Georgi“?

Alle drei Heiligen haben es zumindest an der Kinzig mit der Flößerei zu tun: Nikolaus ist der Schutzpatron der Seefahrer und damit auch der Flößer. Am Georgstag (23. April) begann an der Kinzig das Flößerjahr und am 11. November, an Martini, endete es.

So war Jahrhunderte lang der 23. April, also Georgi, an der Kinzig ein ganz besonderer Tag. So auch in diesem Jahr, denn auch heute führten die Schiltacher Flößer wieder eine Floßfahrt auf der Kinzig durch.

Mit einem knapp 60 Meter langen aus 6 Gestören bestehenden original Kinzigtäler Gestörfloß, mit Wieden eingebunden wie vor über hundert Jahren (1894 ging das letzte gewerbliche Floß „ins Land“) wurde die knapp 13 Kilometer lange Strecke zwischen Steinach und Gengenbach von 10 Flößerkameraden samt Gästen befahren.

Die Wasserverhältnisse waren gut und so wurde das Floß von den Schiltacher Flößern unter der Leitung von Thomas Kipp in den Morgenstunden bei Steinach in der Kinzig zusammengebunden und für die Fahrt bereit gemacht. Begleitet wurde die Fahrt auch durch ein Fernsehteam, das für den SWR einen Film über das „Kalte Herz“ und den „Holländermichel“ dreht. Außerdem waren auch Gäste von der Gewässerunterhaltung mit auf dem Floß, sodass insgesamt 16 Personen die Fahrt begleiten und erleben konnten.

Um 10:30 ging es los, zunächst vorbei am Rückhaltebecken unterhalb Steinachs, später wurde auch das Zollwehr in Biberach erfolgreich durchfahren. Desgleichen schließlich auch die Renaturierung im Bereich der Erlenbacheinmündung An der unteren Biberacher Brücke landete das Floß an und am Lagerfeuer wurden neben Vesper und dem Schiltacher Flößerbier auch hervorragende Speckeier zubereitet.

Im zweiten Abschnitt ging es dann weiter über das alte Wiesenwässerungswehr unterhalb Biberachs, das die zweite größere Hürde auf der insgesamt knapp 13 km langen Strecke darstellte. Bei gutem Wasser und schöner Kinziglandschaft konnte dann am frühen Nachmittag die einst „Freie Reichsstadt Gengenbach“ erreicht werden.

Früher wurde dort die Ankunft eines Floßes von einem Turmbläser angekündigt. Am diesjährigen Georgstag waren es die Schwaibacher Flößer, die die Kollegen aus Schiltach mit Most und Brezeln bei ihrem Flößermuseum empfangen haben.

Da das Wissen um die Flößerei seit 2014 (Aufnahme der „Flößerei“ in das „Bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der Deutschen UNESCO-Kommission“) als geschütztes Kulturgut anerkannt ist, freuten sich die Schiltacher Flößer dieses Wissen auch in der Praxis erlebbar zu machen um es so der Nachwelt zu erhalten.

Gegen Abend wurde das Floßholz wieder nach Schiltach gebracht und eingelagert. So konnten die Flößer wieder in gemütlicher Runde einen ereignisreichen Tag mit viel neuen Erfahrungen und Eindrücken abschließen.

Die Schiltacher Flößer haben aufs Neue gezeigt, dass sie nicht nur „Schönwetterflößer“ sind, sondern auch mit den Unbilden des Aprilwetters gut zurechtkommen.

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