Internationales Flößertreffen in Böhmen

Über den Goldenen Steig in den Böhmerwald

Das Internationale Flößertreffen fand in diesem Jahr in Südböhmen statt.
Eingeladen hatte die Folklore-Vereinigung Libin-S aus Prachatice, einer Stadt mit über 900-jähriger Tradition am Goldenen Steig, auf dem das bayrische Salz hinauf nach Böhmen transportiert wurde und dessen Handel zu Reichtum führte. Dies ist heute noch am Stadtbild zu sehen, der Renaisance-Stil beherrscht den Hauptplatz von Prachatice.
Hier im Herzen der Stadt hatten auch die acht Schiltacher Flößer mit ihren Frauen Quartier bezogen. Insgesamt trafen sich die Flößer aus zehn europäischen Ländern.

Neben der Generalversammlung der Int. Flößervereinigung unter Leitung ihres Präsidenten Angel Portet aus Katalonien lag das Hauptaugenmerk auf dem „Schwarzenbergischen Schwemmkanal“, dem technischen Denkmals Südböhmens überhaupt.
Mit seinem Bau wurde 1789 während der Herrschaft der Schwarzenberger, einem bedeutenden Adelsgeschlecht in Böhmen, begonnen, Baumeister war Josef Rosenauer. Erste Überlegungen zu diesem Kanal bestanden bereits im 14. Jahrhundert, doch erst 400 Jahre später wurde die mutige Idee umgesetzt und der wirtschaftlich so wichtige Wasserweg in einer Länge
von 44 km gebaut und 1822 fertig gestellt. Zu seiner Zeit war er einer der merkwürdigsten Wasserbauten, doch sein Nutzen war immens, konnte doch nun das Holz aus den waldreichen und oft unzugänglichen Gebieten des Böhmerwaldes tschechisch: Sumava) zur Großen Mühl geschwemmt werden, wo es dann weiter zur Donau nach Wien befördert wurde.
Dort bestand ein großer Absatzmarkt. Die Wegstrecke führte aus 916 m Höhe von der deutsch-tschechischen Grenze überwiegend in östliche Richtung (teils durch Tunnel) hinunter ins oberösterreichische Mühlviertel. Dabei überquert der Kanal auch die europäische Hauptwasserscheide zwischen Moldau und Donau.
Die Kapazität des Schleusengrabens, der am Boden 1,5 bis 2 m und oben 3,5 bis 4 breit sein konnte und eine durchschnittliche Tiefe von 1 Meter hatte, betrug bei gutem Betrieb täglich 900 – 1.000 Klafter Holz. Entlang des Kanals waren etwa 200 Menschen mit langen Floßstangen im Einsatz und sorgten dafür, dass das Holz richtig zu Wasser kam, gleichmäßig abfloss und nicht verstopfte.

Eine große Flößergemeinde kann auf 4 wunderbare Tage in Südböhmen zurückblicken und wird sich 2014 auf Einladung der lettischen Flößergruppe im Baltikum wiedersehen.

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