Das ZDF bei den Schiltacher Flößern: Teil 2 – Das Wiedendrehen in Reinerzau 06.09.2015

Das ZDF bei den Schiltacher Flößern: Teil 2 – Das Wiedendrehen in Reinerzau

  • von Pfr. i. R. Wolfgang Tuffentsammer

Mit großem Interesse verfolgten die Fernsehleute von „Terra X“ die Herstellung der Wieden und hielten den Prozess auf all seinen unterschiedlichen Stufen mit Mikrophon und Kamera fest. Ebenso wie das zahlreiche Publikum staunten die Mitglieder des Fernsehteams über das alte überlieferte Handwerk. Zum jährlichen Riesfest in Reinerzau, das traditionell zusammen mit den Wolfacher Flößern begangen wird, reisten heute neben dem ZDF – Fernsehteam auch die Schiltacher Flößer samt ihrem über 8 Tonnen schweren Wiedofen, der seit dem Jahr 2002 seinen Dienst tut, an.Neben den Stämmen, aus denen das Floß besteht, sind die Wieden, mit denen die Stämme zusammengebunden werden das wichtigste Material der Flößer. Gewöhnlich findet das jährliche Wiedendrehen an einem Tag im Frühjahr statt. In diesem Jahr waren die Schiltacher Flößer Ende März zur Eröffnung der Museumssaison bei den Vogtsbauernhöfen und haben dort öffentlich ihr Handwerk vorgeführt.

Der in der Flößersprache verwendete Ausdruck „Wiede“ leitet sich sprachgeschichtlich von dem althochdeutschen Wort „Witta“ = die Binde, das Band, ab. Ein solches Band, das der Kraft der schweren Stämme und des Wassers auch bei der Fahrt übers Wehr standhalten soll, muss stärker sein als ein Seil.

Die Herstellung des Materials geht folgendermaßen vor sich: junge Haselnuss-Stangen werden im Wald geschlagen und anschließend gewässert. Die Stangen saugen sich voll und werden vor dem eigentlichen Wiedendrehen im Ofen erhitzt („gebäht“), das Wasser kocht dabei in den Stangen, anschließend werden die Haselnussstangen mit Hilfe einer zweiten Holzstange um die eigene Achse gedreht. Dabei lösen sich die Fasern von einander und aus einer Holzstange entsteht eine Art Seil, die sog. Wiede, das Bindematerial der Flößer.

Schließlich werden die Wieden zu Kränzen zusammengebunden. Ca. 200 Wieden werden so jedes Jahr hergestellt, im Floßschopf gelagert und im Sommer erneut gewässert, damit sie wieder beweglich werden und das Floß eingebunden werden kann.

An einem Wochenende im September sollten nun über 100 Wieden für die Fahrt auf dem Neckar und für den Fernsehbeitrag hergestellt werden. Bereits Anfang der Woche hatte Bernd Jehle 160 Stämme geschlagen, mit seinem Kleinlaster nach Reinerzau transportiert und mehrere Tage gewässert. Sonntag morgens um acht Uhr wurde der Ofen angeheizt, ab 11 Uhr waren dann ein Viertel der derzeit 27 Flößerkameraden, die an diesem Tag Zeit hatten, gefordert.

Bis zum Abend wurden pausenlos Wieden gedreht, größtenteils handelte es sich um Haselnussstangen, aber auch einige junge Tannenstämmchen wurden verarbeitet. Bei einem solchen Exemplar mit 5 m Länge und einem Durchmesser von 5 cm wurde den immer zahlreicher sich einfindenden Zuschauern klar, wie anstrengend diese Arbeit ist: Drei Flößer – statt der sonst üblichen zwei – waren mit der Herstellung dieser Wiede beschäftigt.

Schon um die Mittagszeit tauchte ein Problem auf: Manche der Zuschauer und Besucher fragten, ob man die Wiedkränze auch kaufen könne. Da durch Astverzweigung bedingt, immer ein gewisser Ausschuss entsteht, der zwar nicht mehr zum Floß-Einbinden verwendet werden kann, aber als Dekoration immer noch was her macht, kann man diese durchaus hergeben. Weil die Gäste jedoch mit ihren Wieden stolz über das Festgelände spazierten, wuchs die Nachfrage zeitweise enorm an, so dass auch eigentlich brauchbares Material hergegeben wurde.

Hundertzwanzig Exemplare blieben am Abend aber doch noch übrig, die Spenden für die anderen Wieden wanderten am Ende des Tages ins Festzelt. Mit einem gemeinsamen Abschluss zusammen mit den Wolfacher Flößern und der Riesgruppe aus Reinerzau wurde der Tag beschlossen, die Stimmung und die Zufriedenheit mit dem Geleisteten war äußerst positiv.

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