Die Schiltacher Flößer zum dritten Mal am Neckar

Die Schiltacher Flößer zum dritten Mal am Neckar

Von Wolfgang Tuffentsammer

Nach Ladenburg und Tübingen war nun die Stadt Remseck dran. Alle zwei Jahre findet unter der Schirmherrschaft des Landesumweltministeriums der Aktionstag „Unser Neckar“ statt. Mehr als 180 Veranstaltungen sollen die Bedeutung des Flusses als Lebensraum für Fische und Kleinstlebewesen, als Erholungsraum für die Menschen oder seine wirtschaftliche Bedeutung als Schifffahrtsweg und Energielieferant erleben lassen.

In Remseck waren es nun die Flößer, die an diesem Tag die Attraktion darstellten. Umrahmt von einem bunten Programm, beginnend mit einem ökumenischen Gottesdienst wurde am einladenden Neckarstrand gefeiert.

Pünktlich zum Ende des Gottesdienstes tauchte das Floß, bestehend aus 6 Gestören und einer Gesamtlänge von 70 Metern langsam am Horizont auf. Seit Samstag lag es – verdeckt durch einen Frachtkahn – am Ufer neben einem Kieswerk im Wasser. Von dort ging es nun langsam Richtung Neckarstrand.

Im Unterschied zu früheren Jahrhunderten, in denen gewerblich Unmengen von Holz flussabwärts transportiert wurde und das Floß mit der Strömung mitging, ist der Neckar – bedingt durch die vielen Staustufen – heute kein Fließgewässer mehr. Deshalb war die Fahrt leider nicht ohne kleine Hilfsmittel möglich.

Langsam kam nun parallel zum Floß auch die Sonne zum Vorschein, und es tat gut, den Tag mit allen Sinnen zu genießen. Für den Gaumen und gegen den Durst wurden jetzt die inzwischen schon fast legendären Flößerwürste mit frischem Bauernbrot und das eigens für die Flößer gebraute Flößerbier gereicht. Über offenem Feuer im Wasserkessel erhitzt, fanden die leckeren Würste großen Zuspruch.

Entsprechend der formulierten „Ziele“ des Flößervereins: Tradition lebendig werden zu lassen und zu bewahren, sowie das Handwerk und die Geschichte der Flößerei zu vermitteln, wurden die Besucher anhand von Schautafeln über das Thema informiert. Seit der Fahrt in Tübingen ist auch die Neckarflößerei fester Bestandteil der Ausstellung.

Höhepunkt des Nachmittags war eine zweimal 4 Kilometer lange Fahrt mit ausgewählten Gästen, darunter auch Kinder und Familien zu dem Neckarbiotop „Zugwiesen“. Mit von der Partie war auch die Sopranistin Anahita Ahsef mit Tubabegleitung. Passend zum Anlass und zur Umgebung wurde eine Arie aus Wagners „fliegendem Holländer“ zum Besten gegeben. Selbstverständlich auf dem Floß. Weitere Gäste waren Umweltminister Untersteller, Regionaldirektorin Dr. Nicola Schelling vom Verband Region Stuttgart, Regierungspräsident Johannes Schmalzl, Oberbürgermeister Dirk Schönberger (Remseck), Bürgermeister Michael Ilk (Ludwigsburg), Walter Braun, Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamts Stuttgart, sowie Martin Lehmann vom Regierungspräsidium Stuttgart.

Für alle Beteiligten war es ein mehr als befriedigendes Erlebnis. Der Aufwand für die Flößer muss als logistische Meisterleistung bezeichnet werden. Die Stämme mussten mit dem Langholzwagen transportiert, ein Kran aus dem Kieswerk organisiert, das Material zu Wasser gelassen und die Stämme eingebunden werden. 6 Flößer reisten hierzu schon am Samstag an, vier weitere stießen am Sonntag dazu und drei „Flößerfrauen“, für das Kulinarische zuständig ergänzten die Truppe.

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