Kürzlich beteiligten sich Flößer aus Schiltach und Wolfach schon zum 14. Mal an den „Oberdrautaler Flößertagen“ in Kärnten mit einem selbst gebauten Floß nach Drautaler Bauart. Mit dabei waren auch befreundete Flößer von der Weser und aus der Uckermark. In Anlehnung an die lange Tradition des Holztransports, vor allem Fichten, von den Wäldern des oberen Drautals bis hinunter nach Slowenien,veranstalten fünf örtliche Flößervereine, seit vielen Jahren die sogenannten „Oberdrautaler Flößertage“. Jeder der fünf Vereine baut ein eigenes Floß in Oberdrauburg (nähe Lienz) um in drei Tagen die ca. 60 Km lange Strecke bis Spittal hinunter zu fahren.Ein besonderes Erlebnis für alle Beteiligten und Zuschauer. Die Drau entspringt im Pustertal in Südtirol auf der Toblacher Heide. Sie durchfließt Österreich, Slowenien, Kroatien sowie Ungarn und mündet schließlich nach etwa 750 km östlich der kroatischen Stadt Osijek bei Aljmaš in die Donau. Früher ein wirtschaftlich bedeutender Fluss für den Transport von Holz. Für die Flößer heute ist die Drau eine „Perle“ in Europa, denn sie hat von Lienz bis unterhalb dem Ort Spittal keine Querbauwerke, oder sonstige künstliche Verbauungen. Ein freifließender eher schneller Gebirgsfluss, eingebettet in ein tolles Alpenpanorama.
Schon lange vor dem Jahr 2000 gab es Beziehungen der Flößer aus dem Drautal zum Kinzigtal insbesondere nach Wolfach. Im Jahr 2009, hat der Vorsitzende der Drautäler Flößer und Bürgermeister der Flößergemeinde Sachsenburg, Wilfried Pichler die Kinzigtäler Flößer eingeladen, anlässlich ihres 20jährigen Bestehens nach Kärnten zu kommen, um ein original Draufloß zu bauen und 2010 als Gastverein aus dem Schwarzwald, die Drau zu befahren und die „Oberdrautaler Flößertage“ mit zu gestalten. Gesagt getan, so machten sich 2010 Flößer mit ihren Frauen aus Schiltach und Wolfach auf den Weg ins Drautal um nach historischen Vorgaben ein Floß zu bauen. Die Drauflöße haben eine völlig andere Bauart wie die langen „Kinzigtäler Gestörflöße“, sie bestehen aus Rundhölzern mit nur 4m Länge, die sowohl in der Länge wie in der Höhe mit den sogenannten „Wieden“ verbunden werden, so entstehen Flöße mit 3 oder 4 „Stößen“ die dann 12 Meter bis 16 Meter lang und 4 Meter breit sind. Mit dieser Art von Floßbau mussten sich die Flößer aus dem Schwarzwald erst vertraut machen.
Das Floßholz wurde vor Ort bereitgestellt und unter Anleitung erfahrener Flößer ein „Draufloß“ gebaut, so konnte damals in Begleitung von Floßmeister Wilfried Pichler die Drau in drei Tagen erfolgreich befahren werden, ein großes Erlebnis und ein wertvoller Zugewinn an Erfahrung. Im Laufe der Jahre entstanden enge Beziehungen und Freundschaften von den Schiltacher Flößern ins Drautal.
Die Organisation des Floßbaus und die Floßfahrten fanden all die Jahre unter Leitung des Schiltacher Floßmeisters Thomas Kipp statt. Und so wurden seit 2010 alljährlich mit wenigen Ausnahmen vierzehn Floßfahrten dieser Art im Drautal durchgeführt. Das Besondere am „ SchiltacherDraufloß“ war, es wurde nur mit „Wieden“ und „Krampen“gebaut, ohne jegliche neuzeitlichen Schrauben, ganz nach historischen Vorgaben. Es war für Thomas Kipp alljährlich die Aufgabe, eine Floßmannschaft zusammen zu bringen, die Unterkunft der Flößer mit ihren Frauen zu organisieren und die Materialien für den Floßbau zu richten. Dieses Jahr waren erfreulicherweise auch jüngere Mitglieder der Flößervereine dabei, die sowohl den Floßbau als auch die Floßfahrt tatkräftig unterstützten, ein großer Gewinn. Bei den diesjährigen Flößertagen, wurde zunächst befürchtet, dass aufgrund der extrem niedrigen Abflüsse der Drau die Flößertage abgesagt werden müssen, doch erfreulicher Weise hat es wenige Tage zuvor nochmal in den Bergen geschneit und geregnet, ebenfalls hat das Gletscherwasser der Großvenediger-Gruppe dazu beigetragen, dass die Wasserverhältnisse mit über 100m³ /sec. in der Drau letztlich Ideal waren. Eine große Herausforderung bei der Floßfahrt sind die z.T. überströmten Kiesbänke die im trüben Wasser nicht immer rechtzeitig erkannt werden können und so kommt es immer wieder vor, dass Flöße auf Kiesbänke auffahren und festsitzen oder dass in einen falschen Flussarm eingefahren wird. Da die Drau teilweise renaturiert ist und die Ufer aufgelöst sind, verläuft der Hauptstrom nach jedem Hochwasser immer wieder in anderen Bereichen, was eine besondere Aufmerksamkeit erfordert. Eine Besonderheit bei der diesjährigen Floßfahrt war,dass die Flößergruppe aus dem Kinzigtal das erste Mal, ganz ohne ortskundige Begleitung die gesamte Strecke von ca. 60 Km, ohne jegliche Grundberührung gemeistert hat. Groß war die Freude und die Begeisterung bei der Ankunft in Spittal-Baldramsdorf, nachdem auch die letzte Floßstrecke geschafft war.
Thomas Kipp 29.06.2026















